среда, 19 декабря 2012 г.

Das verfluchte unpersönliche Subjekt

Kaffee

"Als mündiger Bürger ist es Zeit zu handeln"

(Titel eines Blogeintrags)

(nachdem ich im vorletzten Eintrag darlegte, wie Goethe durch schlampige Satzordnung unnötig den Zugang zu seinen Gedanken erschwert – wird der Verfasser obigen Zitats mir wohl verzeihen können, daß ich nunmehr seinen eigenwilligen Umgang mit dem unpersönlichen Subjekt aufs Korn nehme. Ansonsten ist der Blog unbedingt lesenswert; möge der Leser diese sprachliche Eigenwilligkeit denn zum Anlasse nehmen, sich nicht nur mit verschiedenen Eigenarten des unpersönlichen Subjekts, sondern darüber hinaus auch mit dem weiteren Inhalt jenes Blogs vertraut zu machen.

Und det iss ja nicht als Vorwurf gemeint; auch mir selbst passieren solche Schnitzer; und bei aufmerksamer Suche würde ich in meinen Notizen sicher ähnliches unfreiwillig hinterlassenes Lehrmaterial finden.

Als ich jenen Satz las regte sich plötzlich mein Gewissen. Nämlich fiel mir ein, daß ich schon seit Langem nix mehr im Sprachenportal veröffentlicht habe, und daß insbesondere auch die Seite mit Anmerkungen zum unpersönlichen Subjekt im Deutschen und im Russischen schon seit langem nicht weitergeführt wurde.)

Kommen wir nach dieser langen Einführung denn zur Sache:

Wenn man diesen Satz "Als mündiger Bürger ist es Zeit zu handeln" denn so liest, merkt man sofort, daß irgendwas nicht stimmt. Und dieses Unstimmige dröselt sich einem dann, je nachdem, schnell oder allmählich auf.

In trockener Grammatik-Sprache läßt das sich das etwa wie folgt charakterisieren:

Das deutsche 'als' bezieht sich gnadenlos auf das Subjekt des Satzes; und zumindest auf Anhieb fallen mir keinerlei Tricks ein, wie man es dazu bringen könnte, sich anders zu verhalten.

Zum Beispiel:

"Als Raucher soll man immer Zigaretten in der Tasche haben"

oder

"Als mündiger Bürger hat man viel zu tun"

Subjekt ist hier das 'man', welches, je nachdem, 'als Raucher' oder 'als mündiger Bürger' auftritt.

Subjekt in jenem Satz "Als mündiger Bürger ist es Zeit zu handeln" ist nun das unpersönliche 'es', und das kann gar nicht 'als' etwas auftreten; es charakterisiert einen Zustand oder ein Geschehen; und fertig: es ist Zeit; es läutet; es regnet; es wäre schön, wenn…

Unter Beibehaltung des 'als' könnte man oben gemeinte Aussage etwa wie folgt zu einem in sich stimmigen Satz ausgestalten:

"Als mündiger Bürger versteht man, daß es Zeit ist zu handeln"

Oder auch, ohne 'als':

"Für einen mündigen Bürger ist es Zeit zu handeln."

Könnte man noch gründlicher auseinandernehmen; doch lassen wir es mal dabei…

So isses.


Kaffee

среда, 7 ноября 2012 г.

Von der Langsätzigkeit

Satzlänge und Satzstruktur ergeben sich bei etwas Übung organisch aus dem heraus, was man ausdrücken will. Manchmal sind das kurze und einfache Sätze, manchmal sind sie länger und komplexer. Mit natürlich sich aus dem Inhalt heraus ergebenden komplexeren Sätzen dürfte ein gedanklich beweglicher Leser normalerweise keine Probleme haben.

Etwas anderes ist die gekünstelte, manierierte „Langsätzigkeit“; oder auch das ungeübte in Bandwurmsätzen um unerschlossenen Inhalt wie die Katze um den heißen Brei herumschleichende Herumschreiben. Damit hat auch ein gedanklich beweglicher Leser seine Probleme; und hinzu kommt noch, daß det oftmals bloß kompliziert zusammengestoppelte Verpackungen sind ohne jeden Inhalt.

вторник, 6 ноября 2012 г.

Goethe und die Satzordnung

Goethe_2  

„Sie [die Natur] hat mich hereingestellt, sie wird mich auch herausführen. Ich vertraue mich ihr. Sie mag mit mir schalten. Sie wird ihr Werk nicht hassen. Ich sprach nicht von ihr. Nein, was wahr ist und was falsch ist, alles hat sie gesprochen. Alles ist ihre Schuld, alles ihr Verdienst.“

Goethe: „Die Natur“

Obwohl aus dem Kontext klar ist, was gemeint ist – über den Satz „Ich sprach nicht von ihr“ stolpert man halt. Ich auch. Jedes Mal, wenn ich das lese.

Ohne Goethe einen Vorwurf machen zu wollen, frag ich mich: Warum hat er den Satz so stehen lassen? Ich selbst würd mir sowas nimmer gestatten. Oder war die Intonation zu jener Zeit auf rätselhafte Weise anders? Keine Ahnung.

Eine kleine Änderung der Satzordnung, und schon paßt alles zusammen: „Nicht ich sprach von ihr.“

Und wenn man dann dem Setzer noch Anweisung gibt, bestimmte Worte hervorzuheben, müßte eigentlich alles verständlich sein:

„Sie [die Natur] hat mich hereingestellt, sie wird mich auch herausführen. Ich vertraue mich ihr. Sie mag mit mir schalten. Sie wird ihr Werk nicht hassen. Nicht ich sprach von ihr. Nein, was wahr ist und was falsch ist, alles hat sie gesprochen. Alles ist ihre Schuld, alles ihr Verdienst.“

Goethe möge mir verzeihen; aber was er so schreibt ist für uns des Denkens entwöhnte Heutige auch so schwierig genug.

Vielleicht hatten seine Zeitgenossen keine Probleme damit; und er, befangen in der irrigen Auffassung, es werde nun immer besser und die Menschen würden von Generation zu Generation geistig immer beweglicher und aufnahmefähiger und die Nachwelt werde problemlos alles verstehen, gestattete sich solche Schludrigkeiten?

Könnte sein. Wär möglich.